Verletzlichkeit wird oft nur mit Schwäche verbunden. Doch sie kann auch eine Quelle von Stärke, Kreativität und gesellschaftlichem Wandel sein. Das FAW Forum 2025 brachte renommierte Schriftstellerinnen, Pflegewissenschaftler*innen und Künstler*innen zusammen, um Verletzlichkeit in Literatur, Theater, Pflege und Diversitätsforschung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
Die Beiträge der Veranstaltung sind als Video sowie als Broschüre dokumentiert. Die Broschüre kann eingesehen, aber nicht heruntergeladen werden.
Gedruckte Exemplare (978-3-9821580-7-5) sind für eine Schutzgebühr von 5 Euro erhältlich über: info [at] faw-demenz-wg.de
Prof. Dr. phil. Günter Meyer
Professor für Psychiatrische Pflege, Fakultät Gesundheitswesen an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg. Kulturwissenschaftler und Historiker, Krankenpfleger, Geschäftsführer Meyer & Kratzsch GmbH.
In seiner Einführung in das Thema führt Prof. Meyer aus, dass Verletzlichkeit ein grundlegender Teil des Menschseins ist und nicht nur Schwäche, sondern auch eine Quelle von Stärke sein kann. Durch Selbstreflexion und das Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit können wir Empathie entwickeln und anderen auf Augenhöhe begegnen, besonders in Pflege und sozialer Arbeit. Gleichzeitig wird betont, dass Autonomie und Verletzlichkeit zusammengehören und niemand völlig unabhängig ist. Beispiele aus Philosophie, Psychologie und Kunst zeigen, dass selbst in schwierigen Situationen Würde, Freiheit und Entwicklung möglich bleiben.
Annika Reich
Annika Reich ist Schriftstellerin und Künstlerische Leiterin von WIR MACHEN DAS und Weiter Schreiben. Sie veröffentlicht Romane und Kinderbücher. Ihr literarisches Werk wurde vielfach gewürdigt. Ihr aktives Engagement für den Austausch zwischen geflüchteten und hier etablierten Autor*innen sieht sie als Teil ihrer Verantwortung als Künstlerin.
"Weiter Schreiben" ist ein Programm für Exilliteratur, das Annika Reich seit acht Jahren leitet. In dem Vortrag zeichnet sie den Weg eines persönlichen und politischen Aufbruchs in die Verletzlichkeit nach.
Marica Bodrožić im Gespräch mit Prof. Dr. Günter Meyer
Marica Bodrožić, 1973 in Dalmatien geboren, zog 1983 nach Hessen. Sie schreibt Lyrik, Prosa und Essays, die in über 17 Sprachen übersetzt wurden. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Walter-Hasenclever-Preis. Sie arbeitet als freie Schriftstellerin und lebt in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Erpho Bell
Erpho Bell, M. A., ehemals Dramaturg, lehrt Berufspädagogik an der Ostfalia Hochschule und arbeitet seit 2004 künstlerisch zum Thema Demenz. Er leitet das Ensemble Freudige Füße und veröffentlichte 2023 Theatertechniken für Menschen mit Demenz (www.freudige-fuesse.de).
Theaterprojekte mit Menschen mit Demenz ermöglichen physische und politische Teilhabe. Die demenzielle Veränderung erhöht jedoch die Verletzlichkeit und erhöht gleichzeitig die moralischen Maßstäbe von außen. Menschen mit Demenz auf der Bühne, geht das? Darf man das?
Mag. Dr. Berta M. Schrems
Mag. Dr. Berta M. Schrems, M. A., Priv. Doz., freiberuflich in Lehre, Beratung und Forschung tätig, spezialisiert auf Wissenschaftstheorie, Pflegediagnostik und Vulnerabilität. Studium der Soziologie und Philosophie, Habilitation in Pflegewissenschaft, Weiterbildungen in Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement; Gesundheits- und Krankenpflegerin.
Verletzlichkeit ist ein zentraler Bestandteil des Menschseins, ein verbindendes Element zwischen Pflegenden und jenen, die der Pflege bedürfen. Der Vortrag zeigt, wie Pflegende einen anerkennenden Umgang mit Verletzlichkeit finden und daraus Stärke schöpfen können.
Prof. Dr. Ilka Benner
Professorin für Berufspädagogik im Gesundheitswesen an der Ostfalia Hochschule,
forscht zu interprofessioneller Zusammenarbeit, Gender & Diversity und Berufsorientierung. Sie studierte Pädagogik, Psychologie und Politikwissenschaft, promovierte in Berufspädagogik und ist ausgebildete Altenpflegerin.
Der Vortrag beleuchtet die Erfahrungen von LGBTIQA+-Personen im Gesundheitswesen – sowohl als Patient*innen als auch als Mitarbeitende. Im Fokus steht die Frage, wie ihre Verletzlichkeit als Ressource zur Stärkung der Diversitätskompetenz genutzt werden kann. Dabei geht es um die Entwicklung eines wertschätzenden und professionellen Umgangs, der Vertrauen und eine gute Beziehung zwischen Fachkräften und Patient*innen fördert.